Dr. Gangaamaa Purevdorj

Literatur, Landeskunde der Mongolei, Erlebnisreisen

Regensburg, Tel 0049/(0)176/80292288

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... Diese Region gehört zum bewaldeten Steppengebiet des Landes. In den Gebirgen bzw. Berghängen wachsen die Lärche, die Birke, die Pappel, die Kornelkirsche, die Weide, die Mispel, die Ulme und in der Graslandschaft die Quecke, das Feder- oder Steppengras u. a. Alle genannten Lebenswelten stützen sich auf den sumpfigen, steinigen und schwarzerdigen Boden und befinden sich in einem unendlichen Lebenskreislauf. In diesem Boden schlummern Braunkohle, Kalk, Basalt, Graphit, Soda, Salpeter/Glaubersalz, Speckstein, Rauchtopas, Gold und Silber.

Außer den sogenannten 'fünf Juwelen der Steppe' wie Kamel, Rind, Pferd, Schaf und Ziege, streifen in diesem Gebiet auch der Hirsch, das Reh, das Schwein, der Bär, der Rotfuchs, der Wolf, der Luchs, das Moschustier, der Steppenfuchs, die Wildkatze, der Dachs, das Stinktier, das Murmeltier und das Erdhörnchen herum.

Es gibt auch Adler, Falken, Habichte, Birkhühner, Auerhähne, Eulen, Buntspechte, Rebhühner, Haselhühner, Milane, Raben, Krähen, Saatkrähen, Uhus, Bussarde, Schwalben, Sperlinge, Gänse, Trappen, Kraniche, Schwäne, Mandarinenten, Königsenten, Meisen, Wiederhopfe und Elstern.


Ich möchte gerne einige Zeilen aus dem Kapitel „Das Tal der Glücklichen – Die Ailsiedlung am Bach“ meines Büchleins „Ein weißes geschnürtes All“ zitieren:

...Alles scheint wie früher, als ich ein Kind war.

Auch damals schwebten riesige Wolkenschatten über das Steppenland, entlang unseres heimatlichen Bachufers Jargalant. Der Bach Jargalant bestand aus sechzig kleinen Rinnsalen, die zu einem großen Bach zusammenflossen und somit in dem Gebiet Glück und Freude mit sich brachten. Das ergibt sich auch aus der Zusammensetzung des Wortes „Jargalant“, welches aus den drei Teilen Jar + Jarga! + Jargalant besteht. Zu Deutsch bedeuten sie soviel wie „sechzig + Glück auf! + die Glücklichen“.

Die Weidefähigkeit der Herden wurde weitestgehend bestimmt durch das Wasserangebot in dem „Tal der Glücklichen“. Es wurde somit Einzugsgebiet für die ausgebreiteten Viehherden und deren Hirten. ... Verschwommen, wie eine Fata Morgana, konnte man von uns aus eine Ailsiedlung wahrnehmen, die vor hellblau schimmernden Bergketten lag. Dorthin fließt unser Bach Jargalant. An diesem Ort, vor dem und neben dem Berg „Saikhan“ lebte die Familie Darshaa. Sie war eine ebenso große Familie wie die Unsrige. ...“

 


Meine Heimatortschaft Saikhan sum gehört zur Provinz Bulgan. Sie befindet sich im nördlichen Zentrum der Mongolei. Das Wort Saikhan entspricht im Deutschen: „der Schöne“. Der Ortsname Saikhan sum beinhaltet die Verwaltungseinheit (sum) Saikhan und bezieht sich auf den Berg Saikhan.

Der kahle Berg Saikhan mit Vorkommen von Braunkohle, liegt 10 km nördlich von der Verwaltungseinheit entfernt.

Die Ortschaft Saikhan sum wurde im Jahr 1924 gegründet. Verwaltungsmäßig ist der Ort seither in vier Gebiete unterteilt, in denen es in der Mitte der 1970er Jahren etwa 136 800 Tiere gab und in denen rund 3748 Menschen auf 282 000 Hektar Fläche siedelten. Im Jahr 2010 leben dort 3882 Einwohner, sie besaßen 284 500 Stück Vieh (31 600 Pferde, 18 200 Rinder, 164 000 Schafe usw.). Saikhan sum hat als erster Verwaltungsort in der Mongolei im Jahr 1973‚ das '10 000 Pferde Fest' veranstaltet. Jedes Jahr erzeugten die Hirten 1-1,2 Mil. Liter Airag/gegorene Stutenmilch, 12-14 Tonnen Wolle von Ziegen u.a.


Ich zitiere weiter:

... Der Spätherbst. Wenn bei uns gefeiert wird:

Es geht um das Fest der Stutenmilch im Spätherbst bei den Jurtensiedlungen am Bach Shargalant. Mein Viehhüterbruder erzählt gern von seinem nahen und entlegenen harmonischen Umfeld. Airag/gegorene Stutenmilch ist das Lieblingsgetränk der Mongolen: erfrischend und belebend, nahrhaft und entschlackend. Im Spätherbst ist der Alkoholwert der gegorenen Stutenmilch am höchsten. Je nach Landesteil und Futter der Stuten schmeckt auch die Stutenmilch verschieden auch ihr Alkoholanteil ist unterschiedlich. Gute Stutenmilch sollte in der Schale prickeln und dem Trinkenden bis ins Gesicht spritzen. Der Spätherbst ist goldfarben, die Stutenmilch prickelt und die Menschen werden träumerisch und sentimental.

Am Bach Jargalant siedeln dann die sieben verschiedenen Betrunkenen und deren Familien: eine „Weinende“, eine „Tratschende“, ein „Erzählender“, ein „Einfühlender“, ein „Schlafender“, eine „Singende“ und ein auf dem Pferderücken Schwankender [...].

Airag-Trinken ist der Inbegriff der Steppennomadenkultur. Viele Lieder besingen daher dieses urmongolische Getränk. Deshalb darf Airag bei einem wichtigen Fest auch nicht fehlen. Es ist nichts Ungewöhnliches, wenn Mongolen mehrere Liter davon an einem Platz trinken.

Meine Landesleute sind so und sie erzählen gern von sich.“


Die Bewohner des Berges ‚Saikhan‘ sprechen von verschiedenen Legenden über diesen Kult- und Opferberg:

Der Geist (Besitzer) des Opferberges Saikhan ist ‚Weiß‘ wie Schnee und reitet einen Wallach, der ein wässrig-schimmernder Passgänger ist. Der Geist ist sehr hell und klar wie der Mond des fünfzehnten eines Monats und rein wie eine Blume, welche auf einer jungen Graslandschaft wächst. Er hat rote Wangen wie Feuer, das Haar berührt den Erdboden, die Zähne strahlen wie weiße Jade, die Augen sind dünn wie geschichtetes, schwarzes Bachwasser. Er trägt einen türkis-grünen Deel und auf dem Kopf weht himmlisch blaues Seidentuch. Der Geist ist Nymphe, welche weissagerische Eigenschaften besitzt. Wer ihr begegnet, erhält Lob und zärtliche Hingabe etc.“

(Aus dem Buch „Mein Schönes Heimatland – Historische Notizen, Erinnerungen“ von Darjaagijn Surenkhorloo, Ulaanbaatar 2010, S. 13. Es wurde aus dem Mongolischen ins Deutsche von Gangaamaa Purevdorj sinngemäß übersetzt).

 

Am Bach

"Familie am Bach", Gemälde von Jamyan-Jreesiin Nyamluvsan, 1988 (zu dem Künstler - siehe unten)

 

 

 

Steppenland

am Selenge-Fluss, nicht weit von der Stadt Erdenet

Einer der Seen namens Schwan (Khunt)

 

Mein erster Bruder am Orchon-Fluss in der Nähe der Ortschaft Saikhan-Sum in der Provinz Bulgan

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nyamluvsan

Titelbild der Zeitschrift "Mongolische Notizen - Mitteilungen der Deutsch-Mongolischen Gesellschaft

mit einem Gemälde von Jamyan-Jreesiin Nymluvsan

Jamyan-Jreesiin Nymluvsan

geb. 04. 10. 1954 in der Provinz Khuvsgul

seit 1976 Teilnahme an Kunstausstellungen

seit 1986 Mitglied des Mongolischen Kunstmalerverbandes

1980 - 1984 Studium an der Staatlichen Pädagogischen Universität im Fachbereich der Kunstmalerei

1980 - 1992 Kunstmalerverband in Bulgan

seit 1992 freiberuflich

seit 2005 Teilnahme Tournee "Durch das Heimatland des großen Chingis-Khaan und Organisation des Kunstmalersymposiums "Durch das Land des blauen Himmels"

2006 Verleihung des Ehrentitels "Verdienter Kunstschaffender der Mongolei"

 

 

     

 


 

 

 

 

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